Integrierter Pflanzenschutz

Was heißt Integrierter Pflanzenschutz?

Der integrierte Anbau beginnt mit dem Pflanzen der Obstbäume. Hier verwenden wir Obstunterlagen, die nicht so stark wachsen, damit die Bäume insgesamt kleiner bleiben. Die Früchte werden besser ernährt und besser reif, da sie direkt an der Sonne sitzen und sich somit optimal entwickeln können. Auch lassen sich Ernte, Schnitt und andere Pflegemaßnahmen leichter ausführen. Kleine Bäume trocknen nach einem Regenschauer wesentlich schneller ab, so dass möglichen Schadpilzen der Lebensraum entzogen wird.

Des weiteren werden beim integrierten Pflanzenschutz alle wirtschaftlich, technisch und ökologisch einsetzbaren Verfahren sinnvoll aufeinander abgestimmt eingesetzt um Schädlinge an Kulturpflanzen unter der Schadschwelle zuhalten.

Aus diesem Grund ist die regelmäßige Überwachung der Obstanlagen das oberste Gebot des integrierten Pflanzenschutzes. Die laufenden Kontrollen sollen zahlenmäßige Anhaltspunkte über das Auftreten von Schädlingen und Nützlingen in der Obstanlage liefern, damit unter Berücksichtigung der Schadschwelle die jeweilige Gefährdung einer Obstanlage realistisch eingeschätzt werden kann. Die Kontrollen in regelmäßigen Abständen dienen der Überwachung der Obstanlage auf zu erwartende, gegebenenfalls auch überraschend aufgetretene Schädlinge. Dementsprechend werden bestimmte, zufällig ausgewählte Organe der Bäume (Knospen, Blätter, Triebspitzen, Früchte usw.) auf vorhandene Schadbilder, Schädlinge oder Nützlinge kontrolliert. Die Beobachtungen werden im Abstand von 1 bis 3 Wochen vorgenommen. Bestimmte Kontrollen sind entsprechend dem regionalen Warndienst unbedingt wahrzunehmen und gegebenenfalls zu wiederholen.

Zur Kontrolle des Falterfluges von Apfelwickler und Fruchtschalenwickler arbeiten wir mit Pheromonfallen. Die Fallen bestehen aus einem dachförmigen Teil, einem beleimten Boden und einer Duftkapsel. Die Kapsel gibt kontinuierlich synthetisch hergestellten Sexuallockstoff einer bestimmten Schmetterlingsart ab. Die Sexuallockstoffe (Pheromone) locken selektiv die Männchen derselben Art in die Falle. Mit den Pheromonfallen können sehr sicher und artspezifisch Falterflüge festgestellt werden. Sie ermöglichen Beginn, Höhepunkt und Ende des Falterfluges zu erfassen. Die Fangzahlen geben Aufschluss über die Flugaktivität der Schmetterlinge und sind maßgebend für die Bestimmung der günstigen Bekämpfungstermine (Wird ein Tag zu früh behandelt dann gehören die Schädlinge noch zu den Eiern, kommt man einen Tag zu spät dann gehören sie schon zu den " Rentnern ".) Das heißt chemische Pflanzenschutzmittel kommen nur in der nötigen Menge und zum optimalen Zeitpunkt zum Einsatz. Deshalb ist ein hohes Maß an Fachwissen erforderlich. Werden keine oder nur wenige Falter gefangen, so ist davon auszugehen, dass keine Gefahr besteht und auf Bekämpfungsmaßnahmen verzichtet werden kann.

Beim integrierten Pflanzenschutz wird aber auch stark auf die Mithilfe der Natur gesetzt. In unseren Obstplantagen haben sich aber auch natürliche Schädlingsbekämpfer angesiedelt z. B. Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen, Raubmilben und Schlupfwespen. Bei der Mäusejagd unterstützen uns Greifvögel, Füchse und streunende Katzen. Wir haben über 50 Sitzstangen in unseren Anlagen aufgestellt, die überwiegend von Mäusebussarden genutzt werden und somit die Mäuse erfolgreich jagen können.

Weiter bedeutet Integrierter Pflanzenschutz strenge Kontrollen von staatlicher Seite.

Allgemeine Rezepte gibt es leider nicht, weil jede Situation anders ist und eine andere Maßnahmen-Kombination verlangt.